Ibrahims bisheriges Leben   

          Interview mit zwei jungen Schülerinnen aus Berlin



Ibrahim verbrachte die ersten sieben Jahre seines Lebens in Berlin-Kladow. Seine Eltern waren 1990 mit ihm vor dem Krieg und der schwierigen Situation in Palästina nach Deutschland geflohen. Die Familie lebte zunächst sieben Jahre in einer Asylunterkunft und hatte nur sehr wenig Geld. Ein Arzt bemerkte damals, dass Ibrahim kaum Kleidung besaß, und besorgte seiner Mutter Kinderkleidung für ihn.


Trotz der schwierigen Lebensumstände setzte seine Mutter alles daran, ihn bestmöglich zu unterstützen. Sie nahm täglich eine lange Fahrtzeit auf sich, um Ibrahim zur Physiotherapie zu bringen. Diese ersten Jahre waren nicht einfach, doch sie legten einen wichtigen Grundstein für seinen weiteren Lebensweg.

Nach sieben Jahren in der Asylunterkunft zog die Familie schließlich in ihre erste eigene Wohnung in Berlin-Neukölln. Für Ibrahim begann damit ein völlig neuer Lebensabschnitt. Gleichzeitig wurde ihm immer stärker bewusst, dass viele Jugendliche aufgrund seiner Einschränkungen zunächst nichts mit ihm zu tun haben wollten. Doch Ibrahim wollte sich damit nicht abfinden. Er wollte zeigen, dass ein Rollstuhl, unkontrollierte Bewegungen oder eine Sprechbehinderung nichts darüber aussagen, wie ein Mensch denkt, fühlt oder was in ihm steckt. Er war schon damals jemand, der nicht einfach aufgab, sondern nach Möglichkeiten suchte, etwas zu verändern.


Eine wichtige Möglichkeit fand er in der Musik. Ibrahim entdeckte Hip-Hop für sich und konnte dadurch anderen Jugendlichen zeigen, dass viel mehr in ihm steckt, als sie zunächst vermutet hatten. Hip-Hop begleitet ihn bis heute und bedeutet ihm sehr viel. Aus der Musik zieht er Kraft, Motivation und die Energie, immer wieder weiterzumachen. Neun Jahre lang ging Ibrahim in Neukölln zur Schule. Er ging grundsätzlich gerne zur Schule, wollte etwas lernen und strengte sich an, auch wenn seine Eltern ihn beim Lernen nur begrenzt unterstützen konnten. Eine der wichtigsten Begegnungen dieser Zeit war für ihn sein Einzelfallhelfer K. Ibrahim ist bis heute überzeugt, dass er ohne dessen Unterstützung viele Schritte auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben deutlich schwerer oder vielleicht gar nicht geschafft hätte.

Nach sieben Jahren in der Asylunterkunft zog die Familie schließlich in ihre erste eigene Wohnung in Berlin-Neukölln. Für Ibrahim begann damit ein völlig neuer Lebensabschnitt. Gleichzeitig wurde ihm immer stärker bewusst, dass viele Jugendliche aufgrund seiner Einschränkungen zunächst nichts mit ihm zu tun haben wollten. Doch Ibrahim wollte sich damit nicht abfinden. Er wollte zeigen, dass ein Rollstuhl, unkontrollierte Bewegungen oder eine Sprechbehinderung nichts darüber aussagen, wie ein Mensch denkt, fühlt oder was in ihm steckt. Er war schon damals jemand, der nicht einfach aufgab, sondern nach Möglichkeiten suchte, etwas zu verändern.


Eine wichtige Möglichkeit fand er in der Musik. Ibrahim entdeckte Hip-Hop für sich und konnte dadurch anderen Jugendlichen zeigen, dass viel mehr in ihm steckt, als sie zunächst vermutet hatten. Hip-Hop begleitet ihn bis heute und bedeutet ihm sehr viel. Aus der Musik zieht er Kraft, Motivation und die Energie, immer wieder weiterzumachen. Neun Jahre lang ging Ibrahim in Neukölln zur Schule. Er ging grundsätzlich gerne zur Schule, wollte etwas lernen und strengte sich an, auch wenn seine Eltern ihn beim Lernen nur begrenzt unterstützen konnten. Eine der wichtigsten Begegnungen dieser Zeit war für ihn sein Einzelfallhelfer K. Ibrahim ist bis heute überzeugt, dass er ohne dessen Unterstützung viele Schritte auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben deutlich schwerer oder vielleicht gar nicht geschafft hätte.

Im Laufe seines Lebens hat Ibrahim sehr unterschiedliche Erfahrungen mit anderen Menschen gemacht – wunderschöne und positive, aber auch verletzende und diskriminierende. Immer wieder musste er feststellen, dass manche Menschen Berührungsängste haben oder sich bereits ein Bild von ihm machen, bevor sie ihn überhaupt kennengelernt haben.


Vorurteile, Mitleid, Ablehnung und Diskriminierung begleiten ihn deshalb schon einen großen Teil seines Lebens.

Im Laufe seines Lebens hat Ibrahim sehr unterschiedliche Erfahrungen mit anderen Menschen gemacht – wunderschöne und positive, aber auch verletzende und diskriminierende. Immer wieder musste er feststellen, dass manche Menschen Berührungsängste haben oder sich bereits ein Bild von ihm machen, bevor sie ihn überhaupt kennengelernt haben.


Vorurteile, Mitleid, Ablehnung und Diskriminierung begleiten ihn deshalb schon einen großen Teil seines Lebens.

Manchmal kommen fremde Menschen auf der Straße zu Ibrahim und streichen ihm ungefragt über den Kopf. Für ihn ist das übergriffig. Gleichzeitig vermittelt es ihm das Gefühl, nicht als erwachsener Mann auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden, sondern als jemand, den man bemitleiden oder wie ein Kind behandeln müsse. Auch innerhalb der eigenen Familie erlebte er Situationen, die ihn nachdenklich machten. Tanten oder Onkel kamen beispielsweise zu ihm und fragten: „Weißt du, wer ich bin?“ Für Ibrahim vermittelte eine solche Frage den Eindruck, als würde aufgrund seines Rollstuhls und seiner Sprechbehinderung automatisch angenommen, dass auch sein Denkvermögen eingeschränkt sei.


Genau dieses Vorurteil begegnet ihm bis heute: Menschen sehen zuerst den Rollstuhl, beobachten seine unkontrollierten Bewegungen oder hören seine Sprache und ziehen daraus Rückschlüsse auf seine geistigen Fähigkeiten. Dabei sagt eine körperliche Einschränkung oder eine Sprechbehinderung nichts über die Intelligenz eines Menschen aus. Ibrahim hat außerdem erlebt, dass manche Menschen ihm Erfolge nicht gönnen oder sich nicht mit ihm freuen können. Das trifft ihn besonders, weil viele Dinge, die für andere selbstverständlich erscheinen, für ihn mit zusätzlicher Organisation, Energie und manchmal einem langen Kampf verbunden sind.


Besonders verletzend waren Begegnungen mit Menschen, die ihn aufgrund seiner Einschränkungen ablehnten oder ihm beispielsweise nicht einmal die Hand geben wollten. Für Ibrahim war das schwer nachvollziehbar. Er achtet sehr auf sein Äußeres, seine Kleidung, seine Körperpflege und sein Auftreten. Trotzdem musste er lernen, dass Vorurteile manchmal stärker sein können als das, was ein Mensch tatsächlich vor sich sieht. Diskriminierung erlebte Ibrahim sogar von anderen Menschen mit Einschränkungen. Teilweise wurde er aufgrund seiner Herkunft, seines ausländischen Aussehens, seines Rollstuhls oder seiner weiteren Einschränkungen abgelehnt und abgestempelt. Früher dachte er, Menschen, die selbst ähnliche Erfahrungen gemacht haben, müssten automatisch verständnisvoller und toleranter sein. Mit der Zeit erkannte er jedoch: Auch Menschen mit Einschränkungen sind ganz unterschiedliche Menschen – mit Stärken und Schwächen, Offenheit und Vorurteilen, genau wie alle anderen auch.

Besonders viele schwierige Erfahrungen machte Ibrahim im Bereich Liebe und Partnerschaft. Über viele Jahre begegneten ihm Frauen, die ihm direkt sagten: „Ich würde niemals mit einem behinderten Mann zusammen sein wollen.“ Andere fragten ihn sogar, wofür er überhaupt eine Beziehung brauche, schließlich habe er doch seine Familie, Geld und schöne Kleidung. Solche Aussagen haben ihn verletzt, denn Liebe, Nähe und Partnerschaft lassen sich nicht durch materielle Dinge oder die eigene Familie ersetzen. Der Wunsch, geliebt, begehrt und als Partner wahrgenommen zu werden, ist für einen Menschen mit einer Einschränkung genauso menschlich wie für jeden anderen.


Aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen entstand bei Ibrahim lange der Eindruck, dass nur sehr wenige Frauen sich überhaupt vorstellen konnten, einen Mann mit sichtbaren Einschränkungen als Partner kennenzulernen. Dabei ging es häufig gar nicht darum, wer Ibrahim als Mensch tatsächlich ist. Oft schien bereits der erste Eindruck – Rollstuhl, unkontrollierte Bewegungen und Sprechbehinderung – auszureichen, damit eine nähere Begegnung gar nicht erst entstehen konnte. Diese Erfahrungen haben Ibrahim geprägt. Trotzdem hat er seinen Glauben daran nicht verloren, dass ein Mensch existiert, der hinter die sichtbaren Einschränkungen schaut und ihn als ganzen Menschen und als Mann wahrnimmt.

Hätten alle Menschen eine Einschränkung, wäre eine Einschränkung plötzlich normal. Vielleicht zeigt genau das, dass nicht die Einschränkung selbst das eigentliche Problem ist, sondern häufig die Art, wie unsere Gesellschaft mit Unterschieden umgeht. Wir sprechen heute viel über Toleranz, Inklusion und Akzeptanz. Ohne Zweifel hat sich in vielen Bereichen etwas verbessert. Trotzdem erlebt Ibrahim im Alltag immer wieder, wie groß die Lücke zwischen diesen Worten und der Realität noch sein kann. Deshalb ist weitere Aufklärung wichtig.


Dabei könnten schon einfache Dinge viel verändern: Menschen mit Einschränkungen sollten in Schulen, Medien, im Berufsleben und in der Freizeit viel selbstverständlicher sichtbar und einbezogen sein. Je normaler Begegnungen werden, desto weniger Raum bleibt für Unsicherheit, Berührungsängste und falsche Vorstellungen. Wir sollten einen Menschen nicht aufgrund seines Aussehens, seiner Herkunft, seines Rollstuhls, seiner Sprache oder einer anderen Einschränkung beurteilen, bevor wir ihn überhaupt kennengelernt haben. Stattdessen sollten wir offen aufeinander zugehen, zuhören, nachfragen und jedem Menschen die Möglichkeit geben, zu zeigen, wer er wirklich ist.


Für Ibrahim spielt es keine entscheidende Rolle, welche Herkunft jemand hat, welche Hautfarbe ein Mensch hat, ob jemand eine Einschränkung hat, im Rollstuhl sitzt, blind ist, dick oder dünn ist. Entscheidend ist für ihn, was für ein Mensch ihm gegenübersteht. Denn letztendlich geht es gar nicht darum, Menschen mit Einschränkungen besonders zu behandeln. Es geht darum, ihnen genauso zu begegnen wie allen anderen Menschen: mit Respekt, auf Augenhöhe und ohne vorschnelle Vorurteile.

Manchmal kommen fremde Menschen auf der Straße zu Ibrahim und streichen ihm ungefragt über den Kopf. Für ihn ist das übergriffig. Gleichzeitig vermittelt es ihm das Gefühl, nicht als erwachsener Mann auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden, sondern als jemand, den man bemitleiden oder wie ein Kind behandeln müsse. Auch innerhalb der eigenen Familie erlebte er Situationen, die ihn nachdenklich machten. Tanten oder Onkel kamen beispielsweise zu ihm und fragten: „Weißt du, wer ich bin?“ Für Ibrahim vermittelte eine solche Frage den Eindruck, als würde aufgrund seines Rollstuhls und seiner Sprechbehinderung automatisch angenommen, dass auch sein Denkvermögen eingeschränkt sei.


Genau dieses Vorurteil begegnet ihm bis heute: Menschen sehen zuerst den Rollstuhl, beobachten seine unkontrollierten Bewegungen oder hören seine Sprache und ziehen daraus Rückschlüsse auf seine geistigen Fähigkeiten. Dabei sagt eine körperliche Einschränkung oder eine Sprechbehinderung nichts über die Intelligenz eines Menschen aus. Ibrahim hat außerdem erlebt, dass manche Menschen ihm Erfolge nicht gönnen oder sich nicht mit ihm freuen können. Das trifft ihn besonders, weil viele Dinge, die für andere selbstverständlich erscheinen, für ihn mit zusätzlicher Organisation, Energie und manchmal einem langen Kampf verbunden sind.


Besonders verletzend waren Begegnungen mit Menschen, die ihn aufgrund seiner Einschränkungen ablehnten oder ihm beispielsweise nicht einmal die Hand geben wollten. Für Ibrahim war das schwer nachvollziehbar. Er achtet sehr auf sein Äußeres, seine Kleidung, seine Körperpflege und sein Auftreten. Trotzdem musste er lernen, dass Vorurteile manchmal stärker sein können als das, was ein Mensch tatsächlich vor sich sieht. Diskriminierung erlebte Ibrahim sogar von anderen Menschen mit Einschränkungen. Teilweise wurde er aufgrund seiner Herkunft, seines ausländischen Aussehens, seines Rollstuhls oder seiner weiteren Einschränkungen abgelehnt und abgestempelt. Früher dachte er, Menschen, die selbst ähnliche Erfahrungen gemacht haben, müssten automatisch verständnisvoller und toleranter sein. Mit der Zeit erkannte er jedoch: Auch Menschen mit Einschränkungen sind ganz unterschiedliche Menschen – mit Stärken und Schwächen, Offenheit und Vorurteilen, genau wie alle anderen auch.

Besonders viele schwierige Erfahrungen machte Ibrahim im Bereich Liebe und Partnerschaft. Über viele Jahre begegneten ihm Frauen, die ihm direkt sagten: „Ich würde niemals mit einem behinderten Mann zusammen sein wollen.“ Andere fragten ihn sogar, wofür er überhaupt eine Beziehung brauche, schließlich habe er doch seine Familie, Geld und schöne Kleidung. Solche Aussagen haben ihn verletzt, denn Liebe, Nähe und Partnerschaft lassen sich nicht durch materielle Dinge oder die eigene Familie ersetzen. Der Wunsch, geliebt, begehrt und als Partner wahrgenommen zu werden, ist für einen Menschen mit einer Einschränkung genauso menschlich wie für jeden anderen.


Aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen entstand bei Ibrahim lange der Eindruck, dass nur sehr wenige Frauen sich überhaupt vorstellen konnten, einen Mann mit sichtbaren Einschränkungen als Partner kennenzulernen. Dabei ging es häufig gar nicht darum, wer Ibrahim als Mensch tatsächlich ist. Oft schien bereits der erste Eindruck – Rollstuhl, unkontrollierte Bewegungen und Sprechbehinderung – auszureichen, damit eine nähere Begegnung gar nicht erst entstehen konnte. Diese Erfahrungen haben Ibrahim geprägt. Trotzdem hat er seinen Glauben daran nicht verloren, dass ein Mensch existiert, der hinter die sichtbaren Einschränkungen schaut und ihn als ganzen Menschen und als Mann wahrnimmt.

Ibrahim setzte sich in seinem Leben immer wieder neue Ziele. Nach der Schule stand für ihn fest, dass er unbedingt in eine eigene Wohnung ziehen wollte. Selbstständig zu wohnen und sein eigenes Leben zu gestalten, war für ihn ein wichtiger Schritt in Richtung Freiheit. Nach ungefähr eineinhalb Jahren Arbeit und Vorbereitung hatte er dieses Ziel erreicht und konnte in seine eigene Wohnung ziehen.


Auch hier begegneten ihm Vorurteile. Manche Menschen waren überrascht, dass seine Wohnung modern und stilvoll eingerichtet war. Für Ibrahim zeigte selbst diese Reaktion, welche Vorstellungen teilweise über Menschen mit Einschränkungen existieren. Warum sollte die Wohnung eines Rollstuhlfahrers grundsätzlich anders aussehen als die eines Menschen ohne Einschränkung? Für ihn war seine Wohnung von Anfang an mehr als nur ein Ort zum Wohnen. Sie bedeutete Selbstständigkeit, Freiheit und die Möglichkeit, sein Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten.

In der ersten Zeit in seiner eigenen Wohnung wurde Ibrahim von einem Pflegedienst unterstützt, der jeweils ungefähr eine Stunde morgens und abends zu ihm kam. Für Ibrahim und seinen Einzelfallhelfer wurde schnell deutlich, dass diese Unterstützung für ein wirklich selbstbestimmtes Leben nicht ausreichte. Nach etwa einem halben Jahr bekam Ibrahim den Tipp, sich im Internet über „Persönliche Assistenz“ zu informieren. Genau das tat er. Er kümmerte sich selbst darum und erhielt schließlich persönliche Assistenz.


Für Ibrahim war diese Form der Unterstützung zunächst komplettes Neuland, gleichzeitig aber unglaublich spannend. Mit der Zeit lernte er, wie persönliche Assistenz funktioniert und welche Möglichkeiten sie ihm für ein selbstbestimmtes Leben eröffnet. Nach einigen Jahren bemerkte er allerdings auch Nachteile des damaligen Systems. Und weil Ibrahim sich nicht einfach mit dem Minimum zufriedengibt, suchte er nach einer Möglichkeit, noch mehr Verantwortung und Kontrolle über sein eigenes Leben zu übernehmen.

Diese Möglichkeit fand er im Persönlichen Budget und im Arbeitgebermodell. Der entscheidende Unterschied: Nicht mehr ein Assistenzdienst ist Arbeitgeber der Assistentinnen und Assistenten, sondern Ibrahim selbst. Dadurch kann er entscheiden, wer ihn in seinem Alltag unterstützt und wer zu seinem Leben und seinen Bedürfnissen passt.


Seit 2015 ist Ibrahim Arbeitgeber seiner eigenen Assistentinnen und Assistenten. Damit trägt er eine große Verantwortung. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem Dienstplanung, Bewerbungsverfahren, Vorstellungsgespräche, die Organisation des Teams, Verwaltung von Finanzen, Teamsitzungen, Abrechnungen sowie die Kommunikation mit seinen Angestellten, dem Lohnbüro und verschiedenen Behörden. Am Anfang war das kompliziert und mit viel Arbeit verbunden. Heute möchte Ibrahim diese Form der Selbstbestimmung nicht mehr missen.


Er hat im Laufe der Jahre viele großartige Assistentinnen und Assistenten kennengelernt, die verantwortungsvoll arbeiten und ihn dabei unterstützen, sein Leben so zu führen, wie er es möchte. Gleichzeitig hat er gelernt, dass es Geduld braucht, bis man Menschen findet, die wirklich zu einem passen. Es gab auch negative Erfahrungen. Manche Assistentinnen und Assistenten unterschätzten die Verantwortung des Berufs, kamen kurzfristig nicht zur Arbeit oder ließen Ibrahim in Situationen allein, in denen er auf die vereinbarte Unterstützung angewiesen war. Eine wichtige Erkenntnis hat Ibrahim deshalb über die Jahre gewonnen: Persönliche Assistenz bedeutet nicht, die Verantwortung für das eigene Leben abzugeben. Im Gegenteil. Der Mensch mit Einschränkung sollte möglichst selbst bestimmen, wie sein Leben aussehen soll. Assistentinnen und Assistenten unterstützen dabei, diese Entscheidungen praktisch umzusetzen.


Gleichzeitig gehört für Ibrahim zu einem guten Arbeitgeber auch, gute Arbeit anzuerkennen. Er findet es wichtig, zuverlässige Assistentinnen und Assistenten wertzuschätzen und ihnen respektvoll und anständig zu begegnen. Assistenz funktioniert für ihn deshalb in beide Richtungen: Der Mensch mit Einschränkung bestimmt selbst über sein Leben, trägt Verantwortung und behandelt gleichzeitig die Menschen, die ihn unterstützen, mit Respekt. Ibrahim ist sehr dankbar dafür, in Deutschland Möglichkeiten zu haben, die ihm ein weitgehend selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Seine wichtigste Erkenntnis aus vielen Jahren Assistenz lautet deshalb: Nimm dein Leben selbst in die Hand, schätze gute Menschen, bleibe zielstrebig, setze Grenzen und gib die Verantwortung für dein eigenes Leben nicht vollständig an andere ab.

Seit 2011 arbeitet Ibrahim bei der Fahrdienstfirma GET MOBIL Fahrdienst GmbH. Einen passenden Arbeitsplatz zu finden, kann für jeden Menschen eine Herausforderung sein. Für Menschen mit sichtbaren Einschränkungen kommen jedoch häufig zusätzliche Barrieren und Vorurteile hinzu. Ibrahim hat selbst erlebt, dass Menschen mit Einschränkungen teilweise weniger zugetraut wird und ihre tatsächlichen Fähigkeiten nicht immer im Mittelpunkt stehen. Für ihn war deshalb früh klar, dass er arbeiten und sein eigenes Geld verdienen wollte.


Er wollte nicht, dass andere Menschen aufgrund seines Rollstuhls darüber entscheiden, welche Ziele für ihn angeblich realistisch sind. Seine Haltung war: „Nicht mit mir! Ich möchte ein schönes und selbstbestimmtes Leben führen, mir meine Wünsche erfüllen und meine Möglichkeiten nutzen – genau wie andere Menschen auch.“ Mit dieser Einstellung hat Ibrahim seinen eigenen Weg gefunden. Er arbeitet, führt seinen eigenen Haushalt, beschäftigt eigene Assistentinnen und Assistenten, organisiert sein Leben selbst und übernimmt Verantwortung.


Dabei behauptet er nicht, dass alles einfach ist. Ganz im Gegenteil. Viele Dinge kosten ihn mehr Organisation, Kraft und Durchhaltevermögen. Doch genau deshalb ist ihm Selbstbestimmung so wichtig. Nicht die Einschränkung entscheidet über den Menschen

Hätten alle Menschen eine Einschränkung, wäre eine Einschränkung plötzlich normal. Vielleicht zeigt genau das, dass nicht die Einschränkung selbst das eigentliche Problem ist, sondern häufig die Art, wie unsere Gesellschaft mit Unterschieden umgeht. Wir sprechen heute viel über Toleranz, Inklusion und Akzeptanz. Ohne Zweifel hat sich in vielen Bereichen etwas verbessert. Trotzdem erlebt Ibrahim im Alltag immer wieder, wie groß die Lücke zwischen diesen Worten und der Realität noch sein kann. Deshalb ist weitere Aufklärung wichtig.


Dabei könnten schon einfache Dinge viel verändern: Menschen mit Einschränkungen sollten in Schulen, Medien, im Berufsleben und in der Freizeit viel selbstverständlicher sichtbar und einbezogen sein. Je normaler Begegnungen werden, desto weniger Raum bleibt für Unsicherheit, Berührungsängste und falsche Vorstellungen. Wir sollten einen Menschen nicht aufgrund seines Aussehens, seiner Herkunft, seines Rollstuhls, seiner Sprache oder einer anderen Einschränkung beurteilen, bevor wir ihn überhaupt kennengelernt haben. Stattdessen sollten wir offen aufeinander zugehen, zuhören, nachfragen und jedem Menschen die Möglichkeit geben, zu zeigen, wer er wirklich ist.


Für Ibrahim spielt es keine entscheidende Rolle, welche Herkunft jemand hat, welche Hautfarbe ein Mensch hat, ob jemand eine Einschränkung hat, im Rollstuhl sitzt, blind ist, dick oder dünn ist. Entscheidend ist für ihn, was für ein Mensch ihm gegenübersteht. Denn letztendlich geht es gar nicht darum, Menschen mit Einschränkungen besonders zu behandeln. Es geht darum, ihnen genauso zu begegnen wie allen anderen Menschen: mit Respekt, auf Augenhöhe und ohne vorschnelle Vorurteile.

Ibrahim setzte sich in seinem Leben immer wieder neue Ziele. Nach der Schule stand für ihn fest, dass er unbedingt in eine eigene Wohnung ziehen wollte. Selbstständig zu wohnen und sein eigenes Leben zu gestalten, war für ihn ein wichtiger Schritt in Richtung Freiheit. Nach ungefähr eineinhalb Jahren Arbeit und Vorbereitung hatte er dieses Ziel erreicht und konnte in seine eigene Wohnung ziehen.


Auch hier begegneten ihm Vorurteile. Manche Menschen waren überrascht, dass seine Wohnung modern und stilvoll eingerichtet war. Für Ibrahim zeigte selbst diese Reaktion, welche Vorstellungen teilweise über Menschen mit Einschränkungen existieren. Warum sollte die Wohnung eines Rollstuhlfahrers grundsätzlich anders aussehen als die eines Menschen ohne Einschränkung? Für ihn war seine Wohnung von Anfang an mehr als nur ein Ort zum Wohnen. Sie bedeutete Selbstständigkeit, Freiheit und die Möglichkeit, sein Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten.

In der ersten Zeit in seiner eigenen Wohnung wurde Ibrahim von einem Pflegedienst unterstützt, der jeweils ungefähr eine Stunde morgens und abends zu ihm kam. Für Ibrahim und seinen Einzelfallhelfer wurde schnell deutlich, dass diese Unterstützung für ein wirklich selbstbestimmtes Leben nicht ausreichte. Nach etwa einem halben Jahr bekam Ibrahim den Tipp, sich im Internet über „Persönliche Assistenz“ zu informieren. Genau das tat er. Er kümmerte sich selbst darum und erhielt schließlich persönliche Assistenz.


Für Ibrahim war diese Form der Unterstützung zunächst komplettes Neuland, gleichzeitig aber unglaublich spannend. Mit der Zeit lernte er, wie persönliche Assistenz funktioniert und welche Möglichkeiten sie ihm für ein selbstbestimmtes Leben eröffnet. Nach einigen Jahren bemerkte er allerdings auch Nachteile des damaligen Systems. Und weil Ibrahim sich nicht einfach mit dem Minimum zufriedengibt, suchte er nach einer Möglichkeit, noch mehr Verantwortung und Kontrolle über sein eigenes Leben zu übernehmen.

Diese Möglichkeit fand er im Persönlichen Budget und im Arbeitgebermodell. Der entscheidende Unterschied: Nicht mehr ein Assistenzdienst ist Arbeitgeber der Assistentinnen und Assistenten, sondern Ibrahim selbst. Dadurch kann er entscheiden, wer ihn in seinem Alltag unterstützt und wer zu seinem Leben und seinen Bedürfnissen passt.


Seit 2015 ist Ibrahim Arbeitgeber seiner eigenen Assistentinnen und Assistenten. Damit trägt er eine große Verantwortung. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem Dienstplanung, Bewerbungsverfahren, Vorstellungsgespräche, die Organisation des Teams, Verwaltung von Finanzen, Teamsitzungen, Abrechnungen sowie die Kommunikation mit seinen Angestellten, dem Lohnbüro und verschiedenen Behörden. Am Anfang war das kompliziert und mit viel Arbeit verbunden. Heute möchte Ibrahim diese Form der Selbstbestimmung nicht mehr missen.


Er hat im Laufe der Jahre viele großartige Assistentinnen und Assistenten kennengelernt, die verantwortungsvoll arbeiten und ihn dabei unterstützen, sein Leben so zu führen, wie er es möchte. Gleichzeitig hat er gelernt, dass es Geduld braucht, bis man Menschen findet, die wirklich zu einem passen. Es gab auch negative Erfahrungen. Manche Assistentinnen und Assistenten unterschätzten die Verantwortung des Berufs, kamen kurzfristig nicht zur Arbeit oder ließen Ibrahim in Situationen allein, in denen er auf die vereinbarte Unterstützung angewiesen war. Eine wichtige Erkenntnis hat Ibrahim deshalb über die Jahre gewonnen: Persönliche Assistenz bedeutet nicht, die Verantwortung für das eigene Leben abzugeben. Im Gegenteil. Der Mensch mit Einschränkung sollte möglichst selbst bestimmen, wie sein Leben aussehen soll. Assistentinnen und Assistenten unterstützen dabei, diese Entscheidungen praktisch umzusetzen.


Gleichzeitig gehört für Ibrahim zu einem guten Arbeitgeber auch, gute Arbeit anzuerkennen. Er findet es wichtig, zuverlässige Assistentinnen und Assistenten wertzuschätzen und ihnen respektvoll und anständig zu begegnen. Assistenz funktioniert für ihn deshalb in beide Richtungen: Der Mensch mit Einschränkung bestimmt selbst über sein Leben, trägt Verantwortung und behandelt gleichzeitig die Menschen, die ihn unterstützen, mit Respekt. Ibrahim ist sehr dankbar dafür, in Deutschland Möglichkeiten zu haben, die ihm ein weitgehend selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Seine wichtigste Erkenntnis aus vielen Jahren Assistenz lautet deshalb: Nimm dein Leben selbst in die Hand, schätze gute Menschen, bleibe zielstrebig, setze Grenzen und gib die Verantwortung für dein eigenes Leben nicht vollständig an andere ab.

Seit 2011 arbeitet Ibrahim bei der Fahrdienstfirma GET MOBIL Fahrdienst GmbH. Einen passenden Arbeitsplatz zu finden, kann für jeden Menschen eine Herausforderung sein. Für Menschen mit sichtbaren Einschränkungen kommen jedoch häufig zusätzliche Barrieren und Vorurteile hinzu. Ibrahim hat selbst erlebt, dass Menschen mit Einschränkungen teilweise weniger zugetraut wird und ihre tatsächlichen Fähigkeiten nicht immer im Mittelpunkt stehen. Für ihn war deshalb früh klar, dass er arbeiten und sein eigenes Geld verdienen wollte.


Er wollte nicht, dass andere Menschen aufgrund seines Rollstuhls darüber entscheiden, welche Ziele für ihn angeblich realistisch sind. Seine Haltung war: „Nicht mit mir! Ich möchte ein schönes und selbstbestimmtes Leben führen, mir meine Wünsche erfüllen und meine Möglichkeiten nutzen – genau wie andere Menschen auch.“ Mit dieser Einstellung hat Ibrahim seinen eigenen Weg gefunden. Er arbeitet, führt seinen eigenen Haushalt, beschäftigt eigene Assistentinnen und Assistenten, organisiert sein Leben selbst und übernimmt Verantwortung.


Dabei behauptet er nicht, dass alles einfach ist. Ganz im Gegenteil. Viele Dinge kosten ihn mehr Organisation, Kraft und Durchhaltevermögen. Doch genau deshalb ist ihm Selbstbestimmung so wichtig. Nicht die Einschränkung entscheidet über den Menschen

Wer Ibrahims Geschichte bis hierher gelesen hat, merkt schnell, dass sein Leben nicht nur aus Erfolgen besteht. Er hat Ablehnung, Diskriminierung, Vorurteile, Mitleid und Situationen erlebt, über die er bis heute nicht öffentlich sprechen möchte.


Gleichzeitig gab es Menschen, die an ihn geglaubt, ihn unterstützt und ihm Möglichkeiten eröffnet haben. Beide Seiten gehören zu seiner Geschichte. Trotz schwieriger Erfahrungen ist Ibrahim ein lebensfroher und motivierter Mensch geblieben. Er versucht, anderen Menschen positiv zu begegnen, kämpft gegen Ungerechtigkeit und möchte sein selbst aufgebautes Leben genießen.


Seine Einschränkungen gehören zu ihm, aber sie definieren nicht seinen Wert, seine Intelligenz, seinen Charakter oder seine Möglichkeiten. Genau deshalb möchte Ibrahim mit seiner Geschichte nicht erreichen, dass andere Menschen ihn bemitleiden. Im Gegenteil. Er möchte zeigen, was möglich sein kann, wenn ein Mensch ernst genommen wird, Möglichkeiten bekommt und gleichzeitig selbst bereit ist, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen. Seine Geschichte soll aber auch zeigen, dass Inklusion nicht mit schönen Worten endet. Wirkliche Inklusion entsteht im Alltag: wenn ein Mensch im Rollstuhl direkt angesprochen wird, wenn man einer Person mit Sprechbehinderung geduldig zuhört, wenn man nicht automatisch von einer körperlichen auf eine geistige Einschränkung schließt, wenn Arbeitgeber Menschen nach ihren Fähigkeiten beurteilen und wenn auch Liebe, Attraktivität und Partnerschaft bei Menschen mit Einschränkungen als etwas völlig Selbstverständliches angesehen werden.


Ibrahim möchte deshalb nicht danach beurteilt werden, was andere Menschen auf den ersten Blick sehen. Er möchte als der Mensch wahrgenommen werden, der er tatsächlich ist. Und trotz allem, was hinter ihm liegt, schaut er nach vorne. Sein Schlusswort lautet: „Egal, welche Rückschläge das Leben noch für mich bereithält: Mein Wille wird nicht wackeln. Ich werde immer wieder aufstehen, weitermachen und mein Leben selbst in die Hand nehmen.“

Wer Ibrahims Geschichte bis hierher gelesen hat, merkt schnell, dass sein Leben nicht nur aus Erfolgen besteht. Er hat Ablehnung, Diskriminierung, Vorurteile, Mitleid und Situationen erlebt, über die er bis heute nicht öffentlich sprechen möchte.


Gleichzeitig gab es Menschen, die an ihn geglaubt, ihn unterstützt und ihm Möglichkeiten eröffnet haben. Beide Seiten gehören zu seiner Geschichte. Trotz schwieriger Erfahrungen ist Ibrahim ein lebensfroher und motivierter Mensch geblieben. Er versucht, anderen Menschen positiv zu begegnen, kämpft gegen Ungerechtigkeit und möchte sein selbst aufgebautes Leben genießen.


Seine Einschränkungen gehören zu ihm, aber sie definieren nicht seinen Wert, seine Intelligenz, seinen Charakter oder seine Möglichkeiten. Genau deshalb möchte Ibrahim mit seiner Geschichte nicht erreichen, dass andere Menschen ihn bemitleiden. Im Gegenteil. Er möchte zeigen, was möglich sein kann, wenn ein Mensch ernst genommen wird, Möglichkeiten bekommt und gleichzeitig selbst bereit ist, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen. Seine Geschichte soll aber auch zeigen, dass Inklusion nicht mit schönen Worten endet. Wirkliche Inklusion entsteht im Alltag: wenn ein Mensch im Rollstuhl direkt angesprochen wird, wenn man einer Person mit Sprechbehinderung geduldig zuhört, wenn man nicht automatisch von einer körperlichen auf eine geistige Einschränkung schließt, wenn Arbeitgeber Menschen nach ihren Fähigkeiten beurteilen und wenn auch Liebe, Attraktivität und Partnerschaft bei Menschen mit Einschränkungen als etwas völlig Selbstverständliches angesehen werden.


Ibrahim möchte deshalb nicht danach beurteilt werden, was andere Menschen auf den ersten Blick sehen. Er möchte als der Mensch wahrgenommen werden, der er tatsächlich ist. Und trotz allem, was hinter ihm liegt, schaut er nach vorne. Sein Schlusswort lautet: „Egal, welche Rückschläge das Leben noch für mich bereithält: Mein Wille wird nicht wackeln. Ich werde immer wieder aufstehen, weitermachen und mein Leben selbst in die Hand nehmen.“