Ein Thema, das mein Leben geprägt hat.


Auf dieser Seite geht es um ein Thema, das mich über viele Jahre begleitet und geprägt hat. Dieses Thema betrifft nicht nur mich, sondern auch viele andere Menschen, die anders sind oder nicht in das klassische Bild der Gesellschaft passen. Es geht um Liebe, Beziehung und um die Frage, ob man als Mensch mit einer Einschränkung wirklich eine faire Chance bekommt, geliebt zu werden. Wie man auf meiner Homepage lesen kann, habe ich viele Jahre schmerzhafte Erfahrungen mit ca. 100 Frauen gemacht. Ich wurde diskriminiert, ausgegrenzt und abgelehnt. Das bezieht sich natürlich auf die gesamte Gesellschaft. Da ich heterosexuell bin bezieht sich diese Geschichte auf meine Erfahrungen mit Frauen. In dem Moment, in dem Frauen erfahren haben, dass ich eine Einschränkung oder einen Migrationshintergrund habe, haben sie den Kontakt abgebrochen oder gar nicht erst zugelassen. Oft kamen Ausreden, oft kam einfach gar nichts mehr. Dieses Gefühl, nicht einmal eine echte Chance zu bekommen, hat mich 18 Jahre lang begleitet. 18 Jahre voller Hoffnung, die immer wieder zerstört wurde. 18 Jahre voller Zweifel, Enttäuschung und Einsamkeit. Und trotzdem habe ich tief in mir nie ganz aufgehört, daran zu glauben, dass es vielleicht eines Tages anders sein könnte.

Mehr als der Rollstuhl – die unsichtbaren Vorurteile


Was viele Menschen nicht wissen oder nicht verstehen, ist, dass es nicht nur der Rollstuhl ist, der ihr Bild von mir beeinflusst. Durch meine Einschränkung habe ich unkontrollierte Bewegungen mit dem Kopf, den Armen und den Beinen. Dazu kommt meine Sprechbehinderung. Für Menschen, die mich nicht kennen, wirkt das ungewohnt. Meine Bewegungen sind anders. Meine Sprache ist anders. Und genau das führt oft dazu, dass Menschen falsche Schlussfolgerungen ziehen. Viele denken automatisch, dass ich auch geistig eingeschränkt bin. Sie glauben, dass ich weniger verstehe. Dass ich weniger fühle. Dass ich zu weniger fähig bin. Manche sprechen mit mir langsamer, manche gar nicht. Und viele Frauen haben sich wahrscheinlich schon in den ersten Sekunden innerlich entschieden, mich nicht als möglichen Partner zu sehen, ohne mich wirklich kennenzulernen. Diese Vorurteile haben mich viele Jahre begleitet. Nicht, weil sie wahr sind. Sondern weil Menschen oft nach dem äußeren Eindruck urteilen und nicht nach dem Menschen selbst. Sie sehen die Bewegungen. Sie hören die Sprache. Aber sie sehen nicht meinen Charakter. Nicht meine Gedanken. Nicht mein Herz.

Der Wendepunkt mit 37 Jahren


Nach all diesen Jahren kam der Wendepunkt. Nachdem ich unzählige Dating-Apps und Singlebörsen ausprobiert hatte und immer wieder enttäuscht wurde, entschied ich mich, einen anderen Weg zu gehen. Ich schaltete eine Annonce in einem Liebes-Newsletter (Berliner Liebeskunst-Netzwerk-Newsletter und www.woloho.com). Darauf meldete sich eine Frau bei mir. Sie wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ich im Rollstuhl sitze. Als sie es erfuhr, wartete ich innerlich auf das, was ich all die Jahre erlebt hatte. Auf eine Ausrede. Auf einen Rückzug. Auf eine Absage. Doch dieses Mal war es anders. Sie blieb. Sie wollte mich wirklich kennenlernen. Sie stellte Fragen, sie hörte zu und sie zeigte ehrliches Interesse. Und schließlich schlug sie ein Treffen vor.

Unser erstes Treffen – ein Moment, den ich nie vergessen werde


Ich war unglaublich nervös. Es war so lange her, dass ich ein echtes Date hatte, dass mein Körper völlig verrückt spielte. Als ich ihr gegenüber saß, lief mir der Schweiß über das Gesicht. Ich konnte es nicht kontrollieren. Ich schämte mich und hatte Angst, dass sie jeden Moment aufstehen und gehen würde. Doch sie tat es nicht. Es störte sie nicht. Sie blieb ruhig, freundlich und präsent. Sie schaute mich an, als wäre es das Normalste der Welt. Wir unterhielten uns lange und ich merkte, wie ich langsam ruhiger wurde. Es war ein ehrliches, warmes und echtes Gespräch. Als wir uns verabschiedeten, passierte etwas, das ich niemals vergessen werde. Sie wollte mich unbedingt umarmen. Obwohl ich verschwitzt war. Diese Umarmung war für mich mehr als nur eine Umarmung. Sie war ein Zeichen von Akzeptanz, von Nähe und von Menschlichkeit. In diesem Moment spürte ich zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder Hoffnung.

Zum ersten Mal wirklich gesehen


Nach diesem Treffen wusste ich noch nicht, wohin uns dieser Weg führen würde. Aber ich wusste, dass etwas anders war. Zum ersten Mal hatte ich nicht das Gefühl, mich erklären oder rechtfertigen zu müssen. Ich musste nichts verstecken und nichts vorspielen. Ich wurde gesehen. Als Mann. Als Mensch. In den Tagen und Wochen danach wurde unser Kontakt intensiver. Wir schrieben viel miteinander und unsere Gespräche wurden immer tiefer. Wir sprachen über unsere Gedanken, unsere Gefühle und unser Leben. Mit der Zeit trafen wir uns immer häufiger. Wir gingen zusammen essen, lachten miteinander und verbrachten wunderschöne Stunden zusammen. Ich war oft nervös, weil ich es nicht gewohnt war, dass eine Frau freiwillig bei mir bleibt, meine Nähe sucht und mich berührt, ohne zu zögern.

Nähe, die mein Leben verändert hat


Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als wir das erste Mal zusammen auf dem Sofa lagen und sie ihren Kopf an meine Schulter legte und meine Hand hielt. In diesem Moment wurde mir bewusst, wie sehr mir diese Nähe gefehlt hatte. Nicht nur körperlich, sondern vor allem emotional. Dieses Gefühl, gewollt zu sein. Dieses Gefühl, genug zu sein. Ein besonders prägender Moment war für mich ein gemeinsamer Besuch in einer Therme. Wir saßen nebeneinander, hielten uns an den Händen und genossen einfach den Moment. Für viele Menschen ist das selbstverständlich. Für mich war es ein Wunder. Nach all den Jahren der Ablehnung saß ich dort mit einer wunderschönen Frau, die sich nicht für mich schämte. Im Gegenteil. Sie zeigte mir ihre Nähe ganz selbstverständlich, auch wenn andere Menschen uns anschauten oder sich wunderten. In diesem Moment wurde mir klar, dass Liebe stärker ist als die Vorurteile anderer Menschen.

Warum sie mich liebt – meine persönliche Wahrheit


Ich habe mich oft gefragt, warum ausgerechnet sie mich so sieht, wie sie mich sieht. Ich glaube, sie sieht meine innere Stärke. Sie sieht, dass ich mein Leben trotz aller Hürden lebe und genieße. Sie sieht meinen Humor, meine Ehrlichkeit, mein Herz und mein gepflegten durchtrainierten Körper. Ich musste mich bei ihr nie verstellen. Sie hat gespürt, dass ich echt bin. Unsere Verbindung basiert nicht auf Mitleid, sondern auf echter Anziehung, Vertrauen und Respekt. Sie liebt mich nicht trotz des Rollstuhls, sondern sie liebt mich als Mensch. Gleichzeitig glaube ich auch, dass sie spürt, wie sehr ich sie wertschätze und wie liebevoll ich mit ihr umgehe. Ich gebe mir viel Mühe, dass es ihr gut geht, dass sie sich bei mir wohlfühlt und dass sie glücklich ist. Wir unternehmen viele schöne Dinge zusammen. Wir gehen in Thermen, ins Theater, essen zusammen und erleben viele besondere Momente. Mir ist wichtig, dass sie schöne Erinnerungen sammelt und sich bei mir fallen lassen kann. Dass sie einfach sie selbst sein darf, ohne Druck und ohne Erwartungen. Vielleicht behandle ich sie auch deshalb so bewusst und liebevoll, weil ich noch nie eine richtige Freundin hatte. Weil ich weiß, wie es sich anfühlt, allein zu sein und sich diese Nähe zu wünschen. Und jetzt, wo ich sie in meinem Leben habe, ist es für mich nicht selbstverständlich. Ich sehe sie nicht als selbstverständlich. Ich sehe sie als etwas Besonderes. Und genau so behandle ich sie auch. Und vielleicht ist es genau dieses Gefühl, wirklich gesehen, wirklich gewollt und wirklich geschätzt zu werden, das sie spüren lässt, dass sie bei mir nicht nur eine Frau ist, sondern ein Mensch, der für mich von ganzem Herzen wichtig ist.

Warum Ich meine Freundin liebe und Sie so besonders ist


Meine Freundin ist für mich ein ganz besonderer Mensch. Nicht nur, weil sie eine wunderschöne Frau ist, sondern vor allem wegen ihrer Persönlichkeit und Menschlichkeit. Sie ist ehrlich, tiefgründig und hat den Mut, Dinge offen auszusprechen. Bei ihr habe ich das Gefühl, dass sie wirklich zuhört, nachdenkt und sich mit Menschen und Themen intensiv auseinandersetzt. Sie ist nicht oberflächlich, sondern jemand, der mit Herz und Verstand durchs Leben geht. Was ich besonders an ihr schätze, ist ihre Mischung aus Stärke und Wärme. Sie kann klar ihre Meinung sagen, gleichzeitig ist sie sehr liebevoll, aufmerksam und empathisch. Mit ihr kann ich lachen, tief reden, diskutieren und einfach ich selbst sein. Ich muss mich bei ihr nicht verstellen. Sie nimmt mich als Mensch wahr und nicht nur als Mann im Rollstuhl. Was ich außerdem sehr an meiner Freundin schätze, ist, dass sie mir meine Freiheit lässt. Sie belastet mich nicht mit kontrollierenden Fragen wie: „Wo bist du gerade?“ oder „Was machst du dort?“ Sie vertraut mir und respektiert, dass ich mein eigenes Leben habe. Gleichzeitig lebt sie auch ihr eigenes Leben. Sie ist eine unabhängige Frau, die ihren eigenen Weg geht und nicht versucht, mich einzuengen. Genau dieses Vertrauen und dieser gegenseitige Respekt machen unsere Verbindung für mich so besonders. Mit meiner Freundin erlebe ich eine Verbindung, die ich so vorher nicht kannte. Sie bringt mich zum Nachdenken, bringt mich zum Lachen und schafft es gleichzeitig, dass ich mich bei ihr sicher und angenommen fühle. Genau diese Mischung macht sie für mich so besonders. Deshalb ist sie für mich nicht nur meine Freundin, sondern ein Mensch, der mein Leben auf eine sehr schöne und bedeutungsvolle Weise bereichert.

Die Vorstellung der Gesellschaft und die Realität


Viele Menschen haben ein falsches Bild davon, wie eine Beziehung mit einem Rollstuhlfahrer funktioniert. Sie denken, dass der Mann schwach ist, abhängig ist oder nicht in der Lage ist, eine Frau glücklich zu machen. Manche glauben, dass Nähe, Sexualität und Leidenschaft nicht möglich sind. Andere glauben, dass die Frau automatisch eine Pflegerin wird und ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen muss. Doch die Realität ist eine ganz andere. Eine Beziehung besteht nicht nur aus körperlichen Fähigkeiten. Sie besteht aus Gefühl, aus Aufmerksamkeit, aus Respekt und aus emotionaler Nähe. Ich kann lieben. Ich kann berühren. Ich kann zuhören. Ich kann da sein. Und genau das ist es, was eine Beziehung ausmacht. Unsere Beziehung ist nicht weniger intensiv. Sie ist nicht weniger leidenschaftlich. Vielleicht ist sie sogar bewusster. Weil wir beide wissen, wie wertvoll echte Nähe ist. Weil wir nichts als selbstverständlich sehen. Weil jede Berührung, jeder Blick und jeder gemeinsame Moment eine besondere Bedeutung hat.

Sexualität zwischen Vorurteilen und unserer Realität


Ein Thema, über das fast niemand offen spricht, ist die Sexualität eines Rollstuhlfahrers. Viele Menschen haben falsche Vorstellungen oder trauen sich nicht einmal, darüber nachzudenken. Manche glauben, dass ein Mann im Rollstuhl keine „richtige“ Sexualität haben kann. Andere denken, dass eine Frau mit ihm automatisch verzichten muss bzw. dass der Mann im Rollstuhl keine Erektion bekommt und somit seine Frau nicht befriedigen kann. Diese Gedanken sind nicht nur falsch, sie nehmen uns auch einen Teil unserer Würde, weil sie uns nicht als vollständige Männer und Frauen sehen. Die Realität ist klar und deutlich: Ich bin ein Mann mit Lust, mit Leidenschaft und mit dem Wunsch nach körperlicher Nähe. Zwischen uns gibt es echte Anziehung. Wir begehren uns. Wir genießen unseren Sex. Wir berühren uns, wir entdecken uns und wir geben uns gegenseitig ein gutes Gefühl. Unsere Sexualität ist lebendig, intensiv und erfüllend. Sie ist nicht weniger, nur weil ich im Rollstuhl sitze. Sie ist genauso echt, genauso tief und genauso schön. Mit ihr habe ich erlebt, wie es ist, dass eine Frau mich wirklich will. Nicht aus Mitleid, sondern aus echter Lust und echter Liebe. Sie kommt mir nah, sie genießt meine Nähe und sie zeigt mir, dass ich für sie ein Mann bin, der sie glücklich macht. In unseren intimen Momenten gibt es keinen Rollstuhl. Es gibt nur uns. Zwei Körper. Zwei Herzen. Zwei Menschen, die sich fühlen und sich wollen. Vielleicht ist unsere Sexualität sogar bewusster als bei vielen anderen. Weil wir mehr kommunizieren. Weil wir mehr fühlen. Weil wir nichts als selbstverständlich sehen. Jede Berührung hat Bedeutung. Jeder Moment ist echt.

Die Reaktionen der Menschen – zwischen Vorurteilen und echter Offenheit


Wenn wir zusammen unterwegs sind, werden wir oft angeschaut. Manche Blicke sind neugierig, manche irritiert und manche sagen mehr als tausend Worte, ohne dass ein einziges Wort gesprochen wird. Nur die wenigsten Menschen reagieren einfach normal oder freuen sich sichtbar für uns. Viele ordnen uns automatisch in ein anderes Bild ein. Sie denken, dass meine Freundin meine Betreuerin ist, meine Pflegerin oder sogar meine Mutter. Für sie scheint es selbstverständlicher zu sein, dass eine Frau mich „versorgt“, als dass sie mich liebt. Es gibt auch Menschen, die nicht verstehen können oder wollen, warum eine Frau mit einem „Schwerbehinderten“, wie sie es nennen, zusammen ist. Diese Haltung spüre ich, auch ohne Worte. Sie liegt in ihren Blicken, in ihrer Körpersprache oder in der Art, wie sie mit uns sprechen. Was mich traurig macht, ist vor allem die Tatsache, dass kaum jemand auf die naheliegende Idee kommt, dass wir einfach ein Liebespaar sind. Dass eine wunderschöne Frau und ein Mann im Rollstuhl ganz selbstverständlich eine Beziehung führen können. Dass Liebe keine körperliche Voraussetzung braucht, sondern ein Gefühl ist, das zwischen zwei Menschen entsteht. Was mich zusätzlich bewegt, ist, dass die wenigsten Menschen echtes Interesse zeigen. Sie bleiben in ihren Vorstellungen und hinterfragen sie nicht. Sie kommen nicht auf uns zu und fragen ehrlich, wie unser Alltag aussieht oder wie sich unsere Beziehung anfühlt. Dabei wäre genau das ein Zeichen von echter Offenheit und echter Toleranz. Nicht wegschauen. Nicht urteilen. Sondern Interesse zeigen. Zuhören. Verstehen wollen. Ich wünsche mir, dass Menschen uns nicht als Ausnahme sehen, sondern als das, was wir sind: zwei Menschen, die sich lieben. Ich wünsche mir, dass sie den Mut haben, ihre eigenen Bilder im Kopf zu hinterfragen und nicht in Schubladen denken, sondern mit dem Herzen schauen.

Die Reaktionen der Menschen, die mich gut kennen


Was mich verwundert macht, sind die Reaktionen von manchen Menschen, die mich schon viele Jahre kennen. Menschen, die meinen Weg miterlebt haben. Menschen, die gesehen haben, wie viele Jahre ich allein war. Wie viele Jahre ich gehofft habe. Wie viele Jahre ich gelitten habe, ohne eine Freundin, ohne eine Beziehung und ohne das Gefühl, wirklich von einer Frau geliebt zu werden. Diese Menschen wissen, dass mir etwas Wichtiges in meinem Leben gefehlt hat. Nicht Geld. Nicht Erfolg. Sondern Liebe. Nähe. Gerade deshalb hätte ich gedacht, dass sie sich von ganzem Herzen für mich freuen, jetzt wo ich nicht mehr allein bin. Einige tun das auch. Aber nicht viele. Manche reagieren mit Neid. Manche wirken plötzlich distanziert. Manche behandeln mich anders als früher. Und manche kommen mir sogar respektlos oder haram entgegen, obwohl sie genau wissen, wie lange ich auf diesen Moment gewartet habe. Das ist traurig. Nicht, weil ich ihre Bestätigung brauche. Sondern weil ich mir gewünscht hätte, dass gerade sie verstehen, was es für mich bedeutet. Ein Mann, der eine Frau an seiner Seite hat, die ihn sieht, die ihn fühlt und die ihn liebt. Vielleicht erinnert es manche Menschen an ihre eigenen Unsicherheiten. Vielleicht passt es nicht in ihr Bild. Vielleicht können sie nicht verstehen, dass auch ein Mann im Rollstuhl eine liebevolle, erfüllte und glückliche Beziehung führen kann.

Wenn Hilfe zu Nähe wird


Es gibt Momente in meinem Alltag, in denen ich Unterstützung brauche. Dinge, die für viele Menschen selbstverständlich sind, sind für mich nur mit Hilfe möglich. Und obwohl meine Assistenten im Nebenraum sind und jederzeit helfen könnten, kommt es vor, dass sie es selbst übernimmt. Nicht, weil sie es muss. Sondern weil sie es möchte. Sie macht es nicht aus Pflicht, sondern aus Liebe und aus Verbundenheit. Für sie ist es nichts Ungewöhnliches und nichts, wovor sie sich scheut. Sie bleibt dabei ganz ruhig, selbstverständlich und liebevoll. Ohne Ekel, ohne Unsicherheit und ohne Distanz. Sie begegnet mir in diesen Momenten mit Respekt und mit einer Natürlichkeit, die mich tief berührt. Für Außenstehende mögen das kleine Handlungen sein. Für mich sind es große Momente. Momente, in denen ich spüre, dass sie mich nicht als Belastung sieht. Sie sieht nicht meine Einschränkung. Sie sieht mich als Mann. Als Mensch. Als ihren Partner. Gerade in diesen verletzlichen Situationen entsteht eine besondere Nähe zwischen uns. Eine Nähe, die auf Vertrauen basiert. Eine Nähe, die man nicht erzwingen kann. Sie zeigt mir damit, dass sie mich vollständig akzeptiert, mit allem, was zu mir gehört. Und genau in diesen Momenten wird mir bewusst, dass echte Liebe nicht nur in den schönen und leichten Zeiten sichtbar wird, sondern vor allem dann, wenn man sich verletzlich zeigt und trotzdem angenommen wird. Das ist für mich eines der tiefsten und schönsten Gefühle, die ein Mensch erleben kann.

Meine Haltung zur Zukunft


Wir sprechen immer wieder darüber, zusammen zu verreisen und die Welt zu entdecken. Neue Orte zu sehen, gemeinsam am Meer zu sitzen, andere Kulturen kennenzulernen und einfach Seite an Seite neue Erinnerungen zu schaffen. Allein diese Gedanken fühlen sich für mich schon wunderschön an, und ich freue mich sehr auf alles, was wir gemeinsam erleben werden. Gleichzeitig habe ich für mich gelernt, mir keinen Druck zu machen. Ich habe keine Eile und ich versuche nicht, alles zu planen oder festzuhalten. Früher habe ich oft zu viel an die Zukunft gedacht, aus Angst, etwas wieder zu verlieren. Heute ist das anders. Heute genieße ich jede Minute mit ihr ganz bewusst. Ich genieße unsere Gespräche, unsere gemeinsamen Ausflüge, unsere Besuche in Thermen, unsere Theaterabende und die vielen kleinen Momente dazwischen. Für mich ist jeder einzelne Moment wertvoll. Ich möchte, dass sie sich wohlfühlt, dass sie glücklich ist und dass sie unsere gemeinsame Zeit genauso genießen kann wie ich. Ich lebe heute viel mehr im Jetzt. Denn ich habe verstanden, dass das Jetzt das Einzige ist, was wirklich existiert. Die Vergangenheit ist vorbei und die Zukunft ist noch nicht da. Aber das, was wir jetzt fühlen, jetzt erleben und jetzt miteinander teilen, ist real. Und genau diese Haltung gibt mir Ruhe. Ich halte nichts fest und ich erzwinge nichts. Ich lasse es wachsen. Schritt für Schritt. Mit Vertrauen, mit Geduld und mit einem offenen Herzen.

Liebe kennt keine Einschränkung – meine wichtigste Erkenntnis


Diese Frau hat mir etwas zurückgegeben, das ich über viele Jahre fast verloren hatte. Sie hat mir mein Vertrauen zurückgegeben. Vertrauen in Menschen. Vertrauen in Beziehungen. Und vor allem Vertrauen in Frauen. Nach so vielen Jahren der Ablehnung hatte ich angefangen zu glauben, dass mit mir etwas nicht stimmt. Dass ich vielleicht nie die Chance bekomme, wirklich geliebt zu werden. Dass ich zwar ein guter Mensch sein kann, aber kein Mann, den eine Frau wirklich will. Diese Gedanken haben sich tief in mir festgesetzt, auch wenn ich nach außen stark und zielstrebig geblieben bin. Durch sie durfte ich eine andere Erfahrung machen. Sie hat mich angeschaut und mich nicht als Rollstuhlfahrer gesehen, sondern als Mann. Als Mensch mit Gefühlen, mit Stärke, mit Schwächen und mit Liebe. Sie hat meine Nähe gesucht, meine Hand gehalten und mir gezeigt, dass sie gern bei mir ist. Durch sie habe ich gelernt, mich selbst wieder mit anderen Augen zu sehen. Ich habe gelernt, dass ich liebenswert bin. Nicht irgendwann. Nicht unter bestimmten Bedingungen. Sondern genau so, wie ich bin. Diese Erkenntnis hat etwas in mir verändert. Sie hat mir eine innere Ruhe gegeben und eine Sicherheit, die ich vorher nicht kannte. Egal, was die Zukunft bringt, dieses Gefühl kann mir niemand mehr nehmen. Denn ich weiß jetzt, dass Liebe möglich ist. Auch für mich.

Meine Botschaft an alle Menschen 


Ein Mensch im Rollstuhl ist kein halber Mensch. Er ist ein ganzer Mensch. Mit Gefühlen. Mit Liebe. Mit Sehnsucht. Mit Träumen. Und mit dem gleichen Wunsch nach Nähe, Geborgenheit und echter Verbindung wie jeder andere Mensch auch. Ein Rollstuhl nimmt einem nicht das Herz. Er nimmt einem nicht die Fähigkeit zu lieben, zu fühlen, zu lachen oder für jemanden da zu sein. Er verändert vielleicht den Körper, aber er verändert nicht den Wert eines Menschen. Trotzdem werden Menschen im Rollstuhl oft anders gesehen. Viele schauen zuerst auf die Einschränkung und nicht auf den Menschen. Sie sehen die Grenzen, aber nicht die Persönlichkeit. Sie sehen den Rollstuhl, aber nicht das Herz. Meine Botschaft ist deshalb einfach: Schaut genauer hin. Seht den Menschen. Nicht die Einschränkung. Wir wollen kein Mitleid. Wir wollen keine Sonderbehandlung. Wir wollen Respekt. Wir wollen Ehrlichkeit. Und wir wollen die gleiche Chance, geliebt zu werden und zu lieben. Denn am Ende sind wir alle gleich. Wir alle wollen jemanden, der unsere Hand hält. Jemanden, der uns sieht. Und jemanden, der uns so annimmt, wie wir sind.

Unsere Absicht mit dieser Geschichte


Meine Freundin und ich erzählen diese Geschichte nicht, um Menschen zu kritisieren, Vorwürfe zu machen oder jemanden anzugreifen. Unser Ziel ist ein anderes. Wir möchten mit unserer Erfahrung dazu beitragen, dass dieses Thema in unserer Gesellschaft normaler wird und offener darüber gesprochen werden kann. Uns ist wichtig zu zeigen, dass jeder Mensch – egal ob mit oder ohne Einschränkung, egal ob Frau, Mann oder divers– eine faire Chance verdient, geliebt zu werden und eine Beziehung zu führen. Niemand sollte ausgeschlossen werden, nur weil er anders ist oder nicht in das klassische Bild der Gesellschaft passt. Jeder Mensch verdient es, gesehen zu werden, kennengelernt zu werden und selbst entscheiden zu dürfen, wen er liebt. Am Ende sind wir alle Menschen. Wir haben Gefühle und sehnen uns nach Nähe, Respekt, Akzeptanz und dem Gefühl, dazuzugehören. Genau darum geht es in dieser Geschichte. Nicht um Mitleid und nicht um Vorwürfe, sondern um Verständnis, Offenheit und ein neues Bewusstsein im Umgang miteinander. Wichtig ist uns auch zu sagen, dass diese Geschichte meine persönlichen Erfahrungen widerspiegelt. Sie steht für meinen eigenen Weg und meine eigenen Erlebnisse. Sie soll nicht für alle Menschen sprechen, denn jeder Mensch macht seine eigenen Erfahrungen und hat seine eigene Geschichte. Gleichzeitig möchten wir mit unserer Geschichte auch dazu ermutigen, offener aufeinander zuzugehen. Vielleicht hilft sie dabei, dass Frauen und Männer den Mut haben, auch Menschen kennenzulernen, die auf den ersten Blick nicht in das klassische Bild der Gesellschaft passen. Oft lohnt es sich, hinter den ersten Eindruck zu schauen und dem Menschen eine echte Chance zu geben. Wenn unsere Geschichte dazu beitragen kann, dass Menschen genauer hinschauen, ihre eigenen Vorstellungen hinterfragen und den Menschen hinter der Einschränkung sehen, dann hat sie ihren Sinn erfüllt. Vielleicht hilft sie auch zu zeigen, dass Liebe keine bestimmten Voraussetzungen braucht, sondern zwischen zwei Menschen entsteht, die sich sehen, respektieren und wertschätzen. Denn jeder Mensch gehört dazu. Und jeder Mensch verdient die gleiche Chance auf Liebe, Respekt und ein erfülltes Leben.

Warum eine Fremde mich gesehen hat, und viele, die mich kannten, nicht? Und warum fällt es so vielen Menschen schwer, tolerant zu sein und jeden Menschen als gleichwertig und auch als potenziell attraktiv wahrzunehmen? 


Diese zwei Fragen sind mir erst bewusst geworden, nachdem ich meine Geschichte „Eine von 100 Frauen“ veröffentlicht habe. Durch das Reflektieren meiner Erfahrungen, insbesondere mit meiner Freundin, habe ich begonnen, darüber nachzudenken. Wie kann es sein, dass eine fremde Frau, die mich vorher überhaupt nicht kannte, zunächst nur durch meine Kontaktanzeige und danach durch meine Homepage, sich die Zeit genommen hat, mich wirklich kennenzulernen, während viele andere Frauen in den letzten 18 Jahren kein persönliches Interesse an mir als Mensch gezeigt haben? Über viele Jahre hinweg gab es zahlreiche Begegnungen mit Frauen, die gesehen haben, wie ich lebe, wie ich denke und was für ein Mensch ich bin. Dennoch ist daraus kein persönliches Interesse entstanden. Es geht nicht nur um Interesse. Entscheidend ist, ob jemand die Haltung hat, einen Menschen vollständig als gleichwertig und „normal“ zu sehen, unabhängig von äußeren Merkmalen oder Umständen. Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Zusammenhang man sich begegnet. Ein Grund ist, dass viele Menschen stark in gesellschaftlichen Bildern und Erwartungen denken. Sie orientieren sich daran, was als „normal“ oder „attraktiv“ gilt, anstatt sich selbst ein eigenes Bild zu machen. Alles, was davon abweicht, wird oft automatisch ausgeschlossen. Ein weiterer Punkt ist Unsicherheit. Manche Menschen wissen nicht, wie sie mit dem umgehen sollen, was sie nicht kennen. Anstatt offen zu sein und sich darauf einzulassen, ziehen sie sich zurück oder bleiben auf Distanz. Dazu kommt, dass viele Menschen sehr visuell geprägt sind. Sie beurteilen nach dem ersten Eindruck und gehen nicht tiefer. Der Charakter, die Persönlichkeit und die Werte eines Menschen werden oft gar nicht berücksichtigt. Und letztendlich fehlt es oft an echter Offenheit. Wirklich tolerant zu sein bedeutet, sich bewusst darauf einzulassen, den Menschen hinter dem Äußeren zu sehen. Und genau dazu sind viele nicht bereit oder nicht gewohnt. Viele haben den Umgang mit mir als angenehm empfunden. Ich bin ein respektvoller, gepflegter, strukturierter, erfolgreicher und zuvorkommender Mensch. Das wird wahrgenommen und geschätzt, bleibt aber in vielen Fällen auf einer sachlichen Ebene. Ich begegne Menschen grundsätzlich offen, respektvoll und ohne Vorurteile und gebe jedem eine faire Chance, nicht aus Pflicht, sondern aus Überzeugung, weil jeder Mensch gleichwertig ist. Ein entscheidender Punkt ist: Wenn echtes Interesse und wirkliche Toleranz vorhanden sind, zeigt sich das. Durch Fragen, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, den Menschen hinter dem ersten Eindruck kennenzulernen. Ich bin in all diesen Begegnungen respektvoll und klar geblieben. Gleichzeitig habe ich die Situationen realistisch eingeordnet und die jeweiligen Grenzen erkannt. Die zentrale Erkenntnis ist: Es geht nicht darum, wie lange man sich kennt. Es geht darum, wie ein Mensch einen wahrnimmt. Viele sehen den äußeren Eindruck, gehen aber nicht darüber hinaus. Meine Freundin hat es anders gemacht. Sie hat sich bewusst Zeit genommen, ohne vorgefertigte Bilder. Sie hat nicht in Kategorien gedacht und sich nicht von äußeren Dingen leiten lassen. Sie hat sich für den Menschen interessiert, für meine Gedanken, meinen Charakter und meine Art zu leben. Genau das ist der Unterschied: Sie hat nicht nur gesehen, wie ich bin, sondern auch erkannt, was ich als Mann geben kann. Sie hat meine Stärke gesehen, meine Haltung, meine Art, mit Menschen umzugehen, und wie ich mein Leben führe. Für sie war ich nicht „ein Rollstuhlfahrer“, sondern ein Mann mit Persönlichkeit, Ausstrahlung und Werten. Und genau deshalb hat sie mich auch als attraktiven Partner gesehen. Nicht wegen oberflächlicher Dinge, sondern weil sie den Menschen hinter allem erkannt hat. Weil sie gespürt hat, wer ich bin. Denn wahre Stärke zeigt sich nicht im Urteilen, sondern darin, jeden Menschen als gleichwertig zu sehen.