Eine von 100 Frauen!
Ein Thema, das mein Leben geprägt hat.
Auf dieser Seite geht es um ein Thema, das mich über viele Jahre begleitet und geprägt hat. Dieses Thema betrifft nicht nur mich, sondern auch viele andere Menschen, die anders sind oder nicht in das klassische Bild der Gesellschaft passen. Es geht um Liebe, Beziehung und um die Frage, ob man als Mensch mit einer Einschränkung wirklich eine faire Chance bekommt, geliebt zu werden. Wie man auf meiner Homepage lesen kann, habe ich viele Jahre schmerzhafte Erfahrungen mit ca. 100 Frauen gemacht. Ich wurde diskriminiert, ausgegrenzt und abgelehnt. In dem Moment, in dem Frauen erfahren haben, dass ich eine Einschränkung habe, haben sie den Kontakt abgebrochen oder gar nicht erst zugelassen. Oft kamen Ausreden, oft kam einfach gar nichts mehr. Dieses Gefühl, nicht einmal eine echte Chance zu bekommen, hat mich 18 Jahre lang begleitet. 18 Jahre voller Hoffnung, die immer wieder zerstört wurde. 18 Jahre voller Zweifel, Enttäuschung und Einsamkeit. Und trotzdem habe ich tief in mir nie ganz aufgehört, daran zu glauben, dass es vielleicht eines Tages anders sein könnte.
Mehr als der Rollstuhl – die unsichtbaren Vorurteile
Was viele Menschen nicht wissen oder nicht verstehen, ist, dass es nicht nur der Rollstuhl ist, der ihr Bild von mir beeinflusst. Durch meine Einschränkung habe ich unkontrollierte Bewegungen mit dem Kopf, den Armen und den Beinen. Dazu kommt meine Sprechbehinderung. Für Menschen, die mich nicht kennen, wirkt das ungewohnt. Meine Bewegungen sind anders. Meine Sprache ist anders. Und genau das führt oft dazu, dass Menschen falsche Schlussfolgerungen ziehen. Viele denken automatisch, dass ich auch geistig eingeschränkt bin. Sie glauben, dass ich weniger verstehe. Dass ich weniger fühle. Dass ich zu weniger fähig bin. Manche sprechen mit mir langsamer, manche gar nicht. Und viele Frauen haben sich wahrscheinlich schon in den ersten Sekunden innerlich entschieden, mich nicht als möglichen Partner zu sehen, ohne mich wirklich kennenzulernen. Diese Vorurteile haben mich viele Jahre begleitet. Nicht, weil sie wahr sind. Sondern weil Menschen oft nach dem äußeren Eindruck urteilen und nicht nach dem Menschen selbst. Sie sehen die Bewegungen. Sie hören die Sprache. Aber sie sehen nicht meinen Charakter. Nicht meine Gedanken. Nicht mein Herz.
Der Wendepunkt mit 37 Jahren
Nach all diesen Jahren kam der Wendepunkt. Nachdem ich unzählige Dating-Apps und Singlebörsen ausprobiert hatte und immer wieder enttäuscht wurde, entschied ich mich, einen anderen Weg zu gehen. Ich schaltete eine Annonce in einem Liebes-Newsletter. Darauf meldete sich eine Frau bei mir. Sie wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ich im Rollstuhl sitze. Als sie es erfuhr, wartete ich innerlich auf das, was ich all die Jahre erlebt hatte. Auf eine Ausrede. Auf einen Rückzug. Auf eine Absage. Doch dieses Mal war es anders. Sie blieb. Sie wollte mich wirklich kennenlernen. Sie stellte Fragen, sie hörte zu und sie zeigte ehrliches Interesse. Und schließlich schlug sie ein Treffen vor.
Unser erstes Treffen – ein Moment, den ich nie vergessen werde
Ich war unglaublich nervös. Es war so lange her, dass ich ein echtes Date hatte, dass mein Körper völlig verrückt spielte. Als ich ihr gegenüber saß, lief mir der Schweiß über das Gesicht. Ich konnte es nicht kontrollieren. Ich schämte mich und hatte Angst, dass sie jeden Moment aufstehen und gehen würde. Doch sie tat es nicht. Es störte sie nicht. Sie blieb ruhig, freundlich und präsent. Sie schaute mich an, als wäre es das Normalste der Welt. Wir unterhielten uns lange und ich merkte, wie ich langsam ruhiger wurde. Es war ein ehrliches, warmes und echtes Gespräch. Als wir uns verabschiedeten, passierte etwas, das ich niemals vergessen werde. Sie wollte mich unbedingt umarmen. Obwohl ich verschwitzt war. Diese Umarmung war für mich mehr als nur eine Umarmung. Sie war ein Zeichen von Akzeptanz, von Nähe und von Menschlichkeit. In diesem Moment spürte ich zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder Hoffnung.
Zum ersten Mal wirklich gesehen
Nach diesem Treffen wusste ich noch nicht, wohin uns dieser Weg führen würde. Aber ich wusste, dass etwas anders war. Zum ersten Mal hatte ich nicht das Gefühl, mich erklären oder rechtfertigen zu müssen. Ich musste nichts verstecken und nichts vorspielen. Ich wurde gesehen. Als Mann. Als Mensch. In den Tagen und Wochen danach wurde unser Kontakt intensiver. Wir schrieben viel miteinander und unsere Gespräche wurden immer tiefer. Wir sprachen über unsere Gedanken, unsere Gefühle und unser Leben. Mit der Zeit trafen wir uns immer häufiger. Wir gingen zusammen essen, lachten miteinander und verbrachten wunderschöne Stunden zusammen. Ich war oft nervös, weil ich es nicht gewohnt war, dass eine Frau freiwillig bei mir bleibt, meine Nähe sucht und mich berührt, ohne zu zögern.
Nähe, die mein Leben verändert hat
Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als wir das erste Mal zusammen auf dem Sofa lagen und sie ihren Kopf an meine Schulter legte und meine Hand hielt. In diesem Moment wurde mir bewusst, wie sehr mir diese Nähe gefehlt hatte. Nicht nur körperlich, sondern vor allem emotional. Dieses Gefühl, gewollt zu sein. Dieses Gefühl, genug zu sein. Ein besonders prägender Moment war für mich ein gemeinsamer Besuch in einer Therme. Wir saßen nebeneinander, hielten uns an den Händen und genossen einfach den Moment. Für viele Menschen ist das selbstverständlich. Für mich war es ein Wunder. Nach all den Jahren der Ablehnung saß ich dort mit einer wunderschönen Frau, die sich nicht für mich schämte. Im Gegenteil. Sie zeigte mir ihre Nähe ganz selbstverständlich, auch wenn andere Menschen uns anschauten oder sich wunderten. In diesem Moment wurde mir klar, dass Liebe stärker ist als die Vorurteile anderer Menschen.
Warum sie mich liebt – meine persönliche Wahrheit
Ich habe mich oft gefragt, warum ausgerechnet sie mich so sieht, wie sie mich sieht. Ich glaube, sie sieht meine innere Stärke. Sie sieht, dass ich mein Leben trotz aller Hürden lebe und genieße. Sie sieht meinen Humor, meine Ehrlichkeit, mein Herz und mein gepflegten durchtrainierten Körper. Ich musste mich bei ihr nie verstellen. Sie hat gespürt, dass ich echt bin. Unsere Verbindung basiert nicht auf Mitleid, sondern auf echter Anziehung, Vertrauen und Respekt. Sie liebt mich nicht trotz des Rollstuhls, sondern sie liebt mich als Mensch. Gleichzeitig glaube ich auch, dass sie spürt, wie sehr ich sie wertschätze und wie liebevoll ich mit ihr umgehe. Ich gebe mir viel Mühe, dass es ihr gut geht, dass sie sich bei mir wohlfühlt und dass sie glücklich ist. Wir unternehmen viele schöne Dinge zusammen. Wir gehen in Thermen, ins Theater, essen zusammen und erleben viele besondere Momente. Mir ist wichtig, dass sie schöne Erinnerungen sammelt und sich bei mir fallen lassen kann. Dass sie einfach sie selbst sein darf, ohne Druck und ohne Erwartungen. Vielleicht behandle ich sie auch deshalb so bewusst und liebevoll, weil ich noch nie eine richtige Freundin hatte. Weil ich weiß, wie es sich anfühlt, allein zu sein und sich diese Nähe zu wünschen. Und jetzt, wo ich sie in meinem Leben habe, ist es für mich nicht selbstverständlich. Ich sehe sie nicht als selbstverständlich. Ich sehe sie als etwas Besonderes. Und genau so behandle ich sie auch. Und vielleicht ist es genau dieses Gefühl, wirklich gesehen, wirklich gewollt und wirklich geschätzt zu werden, das sie spüren lässt, dass sie bei mir nicht nur eine Frau ist, sondern ein Mensch, der für mich von ganzem Herzen wichtig ist.
Die Vorstellung der Gesellschaft und die Realität
Viele Menschen haben ein falsches Bild davon, wie eine Beziehung mit einem Rollstuhlfahrer funktioniert. Sie denken, dass der Mann schwach ist, abhängig ist oder nicht in der Lage ist, eine Frau glücklich zu machen. Manche glauben, dass Nähe, Sexualität und Leidenschaft nicht möglich sind. Andere glauben, dass die Frau automatisch eine Pflegerin wird und ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen muss. Doch die Realität ist eine ganz andere. Eine Beziehung besteht nicht nur aus körperlichen Fähigkeiten. Sie besteht aus Gefühl, aus Aufmerksamkeit, aus Respekt und aus emotionaler Nähe. Ich kann lieben. Ich kann berühren. Ich kann zuhören. Ich kann da sein. Und genau das ist es, was eine Beziehung ausmacht. Unsere Beziehung ist nicht weniger intensiv. Sie ist nicht weniger leidenschaftlich. Vielleicht ist sie sogar bewusster. Weil wir beide wissen, wie wertvoll echte Nähe ist. Weil wir nichts als selbstverständlich sehen. Weil jede Berührung, jeder Blick und jeder gemeinsame Moment eine besondere Bedeutung hat.
Sexualität zwischen Vorurteilen und unserer Realität
Ein Thema, über das fast niemand offen spricht, ist die Sexualität eines Rollstuhlfahrers. Viele Menschen haben falsche Vorstellungen oder trauen sich nicht einmal, darüber nachzudenken. Manche glauben, dass ein Mann im Rollstuhl keine „richtige“ Sexualität haben kann. Andere denken, dass eine Frau mit ihm automatisch verzichten muss bzw. dass der Mann im Rollstuhl keine Erektion bekommt und somit seine Frau nicht befriedigen kann. Diese Gedanken sind nicht nur falsch, sie nehmen uns auch einen Teil unserer Würde, weil sie uns nicht als vollständige Männer und Frauen sehen. Die Realität ist klar und deutlich: Ich bin ein Mann mit Lust, mit Leidenschaft und mit dem Wunsch nach körperlicher Nähe. Zwischen uns gibt es echte Anziehung. Wir begehren uns. Wir berühren uns, wir entdecken uns und wir geben uns gegenseitig ein gutes Gefühl. Unsere Sexualität ist lebendig, intensiv und erfüllend. Sie ist nicht weniger, nur weil ich im Rollstuhl sitze. Sie ist genauso echt, genauso tief und genauso schön. Mit ihr habe ich erlebt, wie es ist, dass eine Frau mich wirklich will. Nicht aus Mitleid, sondern aus echter Lust und echter Liebe. Sie kommt mir nah, sie genießt meine Nähe und sie zeigt mir, dass ich für sie ein Mann bin, der sie glücklich macht. In unseren intimen Momenten gibt es keinen Rollstuhl. Es gibt nur uns. Zwei Körper. Zwei Herzen. Zwei Menschen, die sich fühlen und sich wollen. Vielleicht ist unsere Sexualität sogar bewusster als bei vielen anderen. Weil wir mehr kommunizieren. Weil wir mehr fühlen. Weil wir nichts als selbstverständlich sehen. Jede Berührung hat Bedeutung. Jeder Moment ist echt.
Die Reaktionen der Menschen – zwischen Vorurteilen und echter Offenheit
Wenn wir zusammen unterwegs sind, werden wir oft angeschaut. Manche Blicke sind neugierig, manche irritiert und manche sagen mehr als tausend Worte, ohne dass ein einziges Wort gesprochen wird. Nur die wenigsten Menschen reagieren einfach normal oder freuen sich sichtbar für uns. Viele ordnen uns automatisch in ein anderes Bild ein. Sie denken, dass meine Freundin meine Betreuerin ist, meine Pflegerin oder sogar meine Mutter. Für sie scheint es selbstverständlicher zu sein, dass eine Frau mich „versorgt“, als dass sie mich liebt. Es gibt auch Menschen, die nicht verstehen können oder wollen, warum eine Frau mit einem „Schwerbehinderten“, wie sie es nennen, zusammen ist. Diese Haltung spüre ich, auch ohne Worte. Sie liegt in ihren Blicken, in ihrer Körpersprache oder in der Art, wie sie mit uns sprechen. Was mich traurig macht, ist vor allem die Tatsache, dass kaum jemand auf die naheliegende Idee kommt, dass wir einfach ein Liebespaar sind. Dass eine wunderschöne Frau und ein Mann im Rollstuhl ganz selbstverständlich eine Beziehung führen können. Dass Liebe keine körperliche Voraussetzung braucht, sondern ein Gefühl ist, das zwischen zwei Menschen entsteht. Was mich zusätzlich bewegt, ist, dass die wenigsten Menschen echtes Interesse zeigen. Sie bleiben in ihren Vorstellungen und hinterfragen sie nicht. Sie kommen nicht auf uns zu und fragen ehrlich, wie unser Alltag aussieht oder wie sich unsere Beziehung anfühlt. Dabei wäre genau das ein Zeichen von echter Offenheit und echter Toleranz. Nicht wegschauen. Nicht urteilen. Sondern Interesse zeigen. Zuhören. Verstehen wollen. Ich wünsche mir, dass Menschen uns nicht als Ausnahme sehen, sondern als das, was wir sind: zwei Menschen, die sich lieben. Ich wünsche mir, dass sie den Mut haben, ihre eigenen Bilder im Kopf zu hinterfragen und nicht in Schubladen denken, sondern mit dem Herzen schauen.
Die Reaktionen der Menschen, die mich gut kennen
Was mich verwundert macht, sind die Reaktionen von manchen Menschen, die mich schon viele Jahre kennen. Menschen, die meinen Weg miterlebt haben. Menschen, die gesehen haben, wie viele Jahre ich allein war. Wie viele Jahre ich gehofft habe. Wie viele Jahre ich gelitten habe, ohne eine Freundin, ohne eine Beziehung und ohne das Gefühl, wirklich von einer Frau geliebt zu werden. Diese Menschen wissen, dass mir etwas Wichtiges in meinem Leben gefehlt hat. Nicht Geld. Nicht Erfolg. Sondern Liebe. Nähe. Gerade deshalb hätte ich gedacht, dass sie sich von ganzem Herzen für mich freuen, jetzt wo ich nicht mehr allein bin. Einige tun das auch. Aber nicht viele. Manche reagieren mit Neid. Manche wirken plötzlich distanziert. Manche behandeln mich anders als früher. Und manche kommen mir sogar respektlos oder haram entgegen, obwohl sie genau wissen, wie lange ich auf diesen Moment gewartet habe. Das ist traurig. Nicht, weil ich ihre Bestätigung brauche. Sondern weil ich mir gewünscht hätte, dass gerade sie verstehen, was es für mich bedeutet. Ein Mann, der eine Frau an seiner Seite hat, die ihn sieht, die ihn fühlt und die ihn liebt. Vielleicht erinnert es manche Menschen an ihre eigenen Unsicherheiten. Vielleicht passt es nicht in ihr Bild. Vielleicht können sie nicht verstehen, dass auch ein Mann im Rollstuhl eine liebevolle, erfüllte und glückliche Beziehung führen kann.
